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In der Migrationsmedizin gibt es viel zu tun

In der Migrationsmedizin gibt es viel zu tun

UKBB Kommunikation17.09.2019

Während der Bund derzeit Asylzentren in der Schweiz schliesst, kehrt in der Migrationsmedizin vorerst keine Ruhe ein. Es gilt die geflüchteten und in der Schweiz aufgenommenen Kinder und Jugendliche aus anderen Ländern zu betreuen und in unser Gesundheitssystem zu integrieren. Dr. Julia Brandenberger trägt mit ihrer Forschung im Team von PD Dr. Nicole Ritz am UKBB dazu bei, dass dies immer besser gelingt.

von Aline Eberle und Martin Bruni

Leider reist die Dokumentation von medizinischen Behandlungen nicht immer mit. Dieser Junge erhält eine Polio-Impfung in Ethiopien. (Bild: ©Unicef)
Leider reist die Dokumentation von medizinischen Behandlungen nicht immer mit. Dieser Junge erhält eine Polio-Impfung in Ethiopien. (Bild: ©Unicef)

Die Sorgen stehen der Mutter im Wartebereich des UKBB ins Gesicht geschrieben. So viel hat sie verstanden: Ihre Tochter muss heute ins Spital. Das hat ein Arzt in der Praxis verordnet. Warum ihre Tochter ins Spital muss, ist der jungen Frau aus Syrien hingegen ein Rätsel geblieben. „Was hat sie denn bloss? Ihr geht es doch gut?“, fragt sie sich immer wieder. Einmal mehr greift sie in ihre Handtasche. Das Geld ist immer noch da. „Hoffentlich reicht das dem Arzt“, murmelt sie leise vor sich hin.

„Solche Situationen können bei uns in der Migrationsmedizin schon mal vorkommen“, sagt Dr. Julia Brandenberger. Sie forscht am UKBB auf diesem Gebiet, wo es seit 2015 eine migrationsmedizinische Sprechstunde gibt und ein Team für die Betreuung dieser Kinder und Jugendlichen aufgebaut wurde. 

Falsche Vorstellungen und Vorurteile

Zu Beginn ging es unter anderem darum, den steigenden Bedarf an Notfallbehandlungen von geflüchteten Kindern in Zusammenarbeit mit den Empfangs- und Verfahrenszentren und Kinderärzten effizient zu meistern. Aber auch nach vier Jahren nehmen die Zahlen in der migrationsmedizinischen Sprechstunde nicht ab, denn es gibt nach wie vor viel zu tun.

Heute geht es vermehrt auch um präventive Massnahmen und Gesundheitsförderung. „Hier zu investieren lohnt sich extrem“, weiss Brandenberger. Je nach Herkunftsland sind die Kinder mit ganz anderen Gesundheitskonzepten aufgewachsen und konfrontiert gewesen, als sie hier selbstverständlich erscheinen. Zahnhygiene, Impfungen, den rationalen Gebrauch von Antibiotika – mit solchen Dingen müssen sich manche Familien erst vertraut machen. „Ohne die Migrationsmedizin würden viele Kinder durchs Raster fallen“, sagt Brandenberger.

«Auf der Flucht wurden Kinder und Familien teilweise von medizinischem Personal verraten oder gefoltert.»

Eine der grössten Herausforderung sei die Kommunikation. Denn wo keine Verständigung möglich ist, wird es nicht nur schwierig mit dem Behandeln, es fehlt auch das nötige Vertrauen. Darum seien Dolmetscher eminent wichtig, wie sie das UKBB dank Drittmittel einsetzen kann. „Auf der Flucht haben einige Kinder und Familien Schlimmes erlebt und wurden teilweise von medizinischem Personal verraten oder gefoltert. Wir müssen dafür sorgen, dass die Kinder und ihre Eltern merken, dass wir ihr Bestes wollen und sie selbst mitentscheiden können, was getan werden soll.“

Falschen Vorstellungen und Ängsten begegnet Brandenberger aber nicht nur auf Seiten der Migranten. Behauptungen wie die, dass Flüchtlinge Krankheiten einschleppen und die hiesige Bevölkerung gefährden würden, sind immer noch verbreitet. „Unsere Studien zeigen: Im Bereich der häufigsten Infektionskrankheiten unterscheiden sich asylsuchende Kinder, die in der Schweiz ankommen, nicht gross von Kindern, die hier aufwachsen. Zum Teil ist es sogar umgekehrt“, so Brandenberger, „asylsuchenden Kindern machen lokale Erreger zu schaffen, die sie von zu Hause nicht gewohnt sind.“

Weite Wege und fehlende Standards

Eine weitere grosse Herausforderung in der Migrationsmedizin ist die Kontinuität der Behandlungen. Bis eine geflüchtete Familie mit ihren Kindern aus ihrer Heimat in der Migrationssprechstunde in Basel landet, wurde sie auf ihrem Weg je nach dem schon an unterschiedlichen Orten medizinisch versorgt. Doch die Informationen, was wo gemacht wurde, bleiben nicht selten auf der Strecke. „Aus ethischer Sicht kann es nicht sein, dass jemand zum Beispiel dieselbe Impfung mehrfach erhält, nur weil die Informationen nicht effizient dokumentiert werden“, findet Brandenberger. Sie hofft, dass sich dereinst entsprechende Standards europaweit etablieren.

Bis hierfür seitens der Politik die Grundlage geschaffen wird, ist es noch ein langer Weg. Die junge Mutter aus Syrien im UKBB-Wartebereich hingegen wurde inzwischen behandelt. Die Verunsicherung ist einer grossen Erleichterung gewichen. Ihre Tochter ist nicht schwer krank, hat ihr die Dolmetscherin übersetzt. Es wurden Blutuntersuchungen durchgeführt und sie wurde geimpft.

Die Mutter staunt: «Erst war ich nervös: Warum muss ich ins grosse Spital, ist mein Kind so krank? Wie soll ich mich verständigen? Aber dann kam die Dolmetscherin und hat mir zusammen mit der Ärztin alles erklärt. Meine Tochter ist gesund und alle haben mich mit Respekt behandelt, ich bin sehr froh!» Das nächste Mal wird es ihr deutlich leichter fallen, ins UKBB zu kommen.

"Es braucht Offenheit und Geduld"

"Es braucht Offenheit und Geduld"

UKBB Kommunikation08.07.2019

Noch in diesem Monat schliessen Lea Hediger und Riccardo Dellolio ihre Ausbildung im UKBB als Fachfrau und Fachmann Gesundheit EFZ ab. Wieso sie sich für diesen Beruf entschieden haben und was ihnen daran besonders gefällt, erzählen sie in diesem Beitrag.

Lea Hediger und Riccardo Dellolio, Ihr seid nun fast fertig mit eurer Ausbildung zur Fachfrau und Fachmann Gesundheit EFZ. Wieso habt ihr diese Ausbildung gewählt?

Ricardo Dellolio (RD): Ich wollte schon immer in einem sozialen Beruf und mit Kindern arbeiten. Zuerst schnupperte ich als Kindergärtner und als Primarlehrer. Das packte mich aber nicht. Meine Mutter, die selbst Pflegefachfrau ist, empfahl mir ein Schnupperpraktikum im UKBB zu machen und hier gefiel es mir sofort.

Lea Hediger (LH): Ich habe mich schon früh für diesen Beruf interessiert. Ganz explizit für das UKBB entschied ich mich, weil hier Kinder und Jugendliche in jedem Alter gepflegt und therapiert werden. Die Behandlungsweise ist bei Babys ganz anders als bei einem 12- oder 18-Jährigen. Das fand ich unheimlich spannend und wollte unbedingt mehr darüber lernen.

Was sind eure Hauptaufgaben als Fachfrau und Fachmann Gesundheit?
RD: Als Fachfrau und Fachmann Gesundheit (FaGe) haben wir sehr vielseitige Aufgaben und ich kann hier gar nicht alles aufzählen. Wir sind rund um die Uhr für die Patienten da, geben ihnen die angeordneten Medikamente, machen Verbandswechsel und Blutentnahmen. Auch helfen wir ihnen bei ganz alltäglichen Situationen wie beispielsweise beim Anziehen oder Essen. Dabei versuchen wir auf die Wünsche der Kinder einzugehen und wenn immer möglich, beziehen wir auch die Eltern in den Prozess mit ein.

Wie integriert Ihr die Eltern in die Pflege und warum ist das wichtig?
RD: Bei einem Frühgeborenen ist es wichtig, dass die Eltern so schnell wie möglich lernen, wie sie ihr Baby beispielsweise wickeln müssen. Das gibt den Eltern Sicherheit und fördert die Bindung zwischen ihnen und dem Kind.

LH: Oft gelangen wir über die Eltern besser an die Kinder. Wenn sie sehen, dass die Eltern uns vertrauen, ist es oft viel einfacher mit ihnen zusammen zu arbeiten. Dann sind sie auch eher gewillt ein Medikament zu nehmen, dem sie sich bis dahin verweigert haben.

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um diesen Beruf auszuüben?
RD: Man muss den Kontakt mit Menschen mögen und gerade in hektischen Situationen ist es wichtig, dass man einen kühlen Kopf bewahrt und seine Arbeit konzentriert und kompetent ausführt.

LH: Man hat im Spital mit vielen verschiedenen Menschen zu tun und da finde ich es wichtig, offen auf andere zugehen zu können und geduldig zu sein.

Was gefällt euch besonders an der Arbeit hier im UKBB?
LH: Mir gefällt, dass wir die Kinder und ihre Familien persönlich kennenlernen. Manchmal kommen sie nach dem Spitalaufenthalt extra ins UKBB, um uns „Hallo“ zu sagen. Zudem mag ich die Arbeit im Team. Wir helfen uns und können uns über schöne und besonders auch über schwierige Situationen untereinander austauschen.

RD: Neben der Teamarbeit finde ich es toll, dass man immer wieder Neues lernt. Die schulische Ausbildung während der Lehre war auf die Pflege von Erwachsenen ausgerichtet. Alles, was die Pflege von Kindern betrifft, lernten wir hier im UKBB. Durch diese Ausbildung erhielten wir zusätzliches Wissen zu dem der Schule. Das finde ich sehr spannend.

Was ist Euer nächstes Ziel nach der Ausbildung?
RD: Nach der Lehre möchte ich weitere Bereiche der Pflege kennenlernen und als erstes werde ich während meines Zivildienstes in der Psychiatrie arbeiten.

LH: Ich habe die Möglichkeit nach meinem Abschluss weiter im UKBB zu arbeiten und werde ich das verkürzte Studium zur diplomierten Pflegefachfrau HF machen. Ich möchte auf jeden Fall im Bereich Familie weiter wirken und später noch die Ausbildung zur Hebamme machen.

Lea Hediger und Riccardo Dellolio haben ihre Abschlussprüfungen erfolgreich bestanden und wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft.

Aline Eberle, Praktikantin Kommunikation UKBB

Asthma - Wenn das Atmen schwerfällt

Asthma - Wenn das Atmen schwerfällt

UKBB Kommunikation21.05.2019

Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Krankheiten bei schulpflichtigen Kindern und etwa zehn Prozent der Kinder zwischen 4 bis 12 Jahren sind über eine gewisse Zeit oder dauernd davon betroffen. Gründe dafür gibt es viele. Die Forscherin und Ärztin Olga Gorlanova untersucht, welche Faktoren die Lungenentwicklung und besonders die Entstehung von Asthma bei Kindern beeinflussen.

Bereits während der Schwangerschaft und im frühen Säuglingsalter können genetische Veranlagungen und Umwelteinflüsse wie beispielsweise die Luftverschmutzung, die Lungenentwicklung von Kindern beeinträchtigen und zu verschiedenen Atemwegssymptomen im ersten Lebensjahr führen. Seit 1999 untersucht deshalb das Forscherteam der BILD-Studie (Basel Bern Infant Lung Development) die Entwicklung der Atemwegserkrankungen systematisch.

Olga Gorlanova forscht seit 2011 - seitdem die Studie auch in Basel durchgeführt wird – mit.  Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Genetik: „Einer der Erfolge dieser Studie besteht darin, dass wir die Genregionen, die mit der Funktion der Lunge bei den Säuglingen im Zusammenhang stehen, identifizieren konnten.“

Weiter wird für diese Studie bereits fünf bis sechs Wochen nach der Geburt des Kindes eine Lungenfunktionsmessung gemacht. Für diese Messung braucht es viel Geduld von den Eltern und Forschenden. Obwohl die Messung nur wenige Minuten dauert, muss gewartet werden bis der Säugling tief und fest schläft. Das kann unter Umständen mehrere Stunden dauern. Erst dann wird mit Hilfe einer Gesichtsmaske die Atemluft während zehn Minuten gemessen. Der Aufwand lohnt sich aber: „Die Lungenfunktionsmessung bei Säuglingen gab es bisher nicht. Zudem wiederholen wir die Messung im sechsten Lebensjahr und diese umfassende Analyse der Lunge liefert uns ganz neue Erkenntnisse über die Lungenentwicklung bei Kindern. Das macht unsere Studie aussergewöhnlich.“

Zusätzlich wird die Schadstoffbelastung in der Umgebungsluft des Kindes gemessen. Dafür werden Luftproben innerhalb und ausserhalb des Wohnraums des Kindes ausgewertet. Die Werte der Schadstoffbelastung liefern weitere wertvolle Hinweise für die Entstehung von Lungenkrankheiten.

Insgesamt wurden diese Untersuchungen bereits bei 930 Kindern durchgeführt und ausgewertet. Es zeigte sich, dass es Faktoren gibt, die die Entstehung von Asthma vermindern. So beispielsweise das Leben auf dem Bauernhof: „Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, haben ein geringeres Risiko an Asthma zu erkranken als Kinder aus der Stadt. Das liegt vor allem am Kontakt mit den Tieren. Zudem konnten wir in unserer Studie zeigen, dass Kinder, die zwar bestimmte Asthma-Genvarianten im Chromosom Nummer 17 haben, aber gestillt wurden, im ersten Lebensjahr weniger oft Symptome einer Atemwegserkrankung aufwiesen. Angenommen wird, dass dafür ein Zusammenspiel zwischen den Genen und den Inhaltsstoffen der Muttermilch verantwortlich ist.“

An der Arbeit im UKBB gefällt Gorlanova besonders die Abwechslung: „Ich lerne jeden Tag Neues und muss mich ständig weiterentwickeln. Zudem braucht es viel Eigenverantwortung und selbständiges Arbeiten. Trotzdem habe ich auch Kontakt mit Patienten und bin Teil von einem internationalen Forschungsteam.“
Das Ziel der Studie ist es, noch mehr Kinder zu untersuchen, um weitere Ergebnisse zur Lungenentwicklung und daraus neue Perspektiven im Verständnis von kindlichem Asthma zu erhalten. Wir sind gespannt auf die weiteren Erkenntnisse und sicher ist, dass man auch in Zukunft noch von Olga Gorlanova und ihrer Forschung zu Asthma lesen wird.

Olga Gorlanova studierte Medizin an der Chelyabinsk State Medical Academy (Russland) und erlangte dort 2003 ihren Doktortitel. Nach mehrjähriger Erfahrung als Ärztin kam sie nach Basel und beendete 2011 den Master in Infektionsbiologie/Epidemiologie am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (TPH). Seither arbeitet sie an der BILD-Studie mit, die auch vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt wird.

Aline Eberle, Praktikantin Kommunikation UKBB

40 Jahre Ganglabor – eine bewegte Geschichte

40 Jahre Ganglabor – eine bewegte Geschichte

UKBB Kommunikation05.03.2019

Eine besondere Abteilung des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) kann ihr 40-Jahr-Jubiläum feiern: das Ganglabor. Heute ist das Labor, in dem das Gangbild der Patienten analysiert wird, nicht mehr wegzudenken aus dem Spitalalltag. Jährlich werden rund 300 bis 350 klinische Analysen durchgeführt. Zudem wird das Labor für Forschungszwecke genutzt, was wiederum der klinischen Behandlung zugutekommt.

Das vierstöckige UKBB an der Spitalstrasse mit seiner farbenfrohen Fassade kennt in der Region Basel fast jeder. Doch was die wenigsten wissen: Auch im Untergeschoss des Gebäudes werden die kleinen Patienten untersucht. Dort befindet sich das Ganglabor des Kinderspitals. Mit modernsten Messgeräten wird hier in einem Raum der Gang der Kinder analysiert. 2019 kann das Labor sein 40-Jahr-Jubiläum feiern. Es hat, wie das Kinderspital selbst, eine bewegte Geschichte und war an verschiedenen Standorten beheimatet. Zuerst, 1979, war das Labor im Felix Platter-Spital untergebracht, wo heute noch im Basel Mobility Center Ganganalysen für ältere Patienten durchgeführt werden. Seit 2011 befindet es sich nun im UKBB an der Spitalstrasse. 2013 wurde es neu gestaltet und seither zieren die vom Basler Künstler Freddy Oettli gemalten Figuren aus Walt Disney’s Dschungelbuch die Wände – sehr zur Freude der Kinder.

Das Ganglabor war eines der ersten in Europa und nimmt gemäss Prof. Dr. med. Reinald Brunner, Leiter der Abteilung Neuroorthopädie, heute noch eine Vorreiterrolle ein. „Das Spital kann stolz darauf sein, was es in diesem Bereich geleistet hat“, sagt er. Brunner hat einen Grossteil der Geschichte des Ganglabors miterlebt. Seit 27 Jahren bereits ist er als Leiter der Neuroorthopädie tätig, die das Labor betreibt. Und schon in den 1980er-Jahren, damals noch als junger Assistenzarzt, kam er mit dem Labor in Berührung. Heute gehören Ganguntersuchungen zur Routine im Spitalalltag. „Es ist ein gängiges Diagnose-Tool wie etwa ein MRI“, sagt Brunner. Der Beginn sei allerdings schwierig gewesen, da die Auswertung des Filmmaterials damals mehrere Monate gedauert habe. Seit Anfang der 1990er-Jahre, mit dem Einbezug von leistungsfähigen Computern, sei es als klinisches Tool aber „richtig einsetzbar“.

Das Ganglabor funktioniert folgendermassen: Auf die Haut des Patienten werden rund 40 kleine, reflektierende Marker aufgeklebt, die von zwölf gleichzeitig laufenden Kameras eingefangen und von einem Computer aufgezeichnet werden. So entstehen dreidimensionale Bilder der Bewegungsabläufe. Zusätzlich werden mit Hilfe von Bodenplatten die Kräfte gemessen, die auf den Fuss einwirken. Beide Messungen zusammen ermöglichen die Berechnung der Kräfte in den Gelenken und somit Rückschlüsse auf die Muskelaktivitäten und -leistungen. Die Patienten haben dabei mehrmals eine zehn Meter lange Strecke zurückzulegen. Die Analysen dauern jeweils zwischen einer und drei Stunden, die Auswertungen der Daten jeweils noch einmal so lang.

Die Analysen sind von grossem Nutzen bei der Behandlung von verschiedensten Gangstörungen vor allem bei neurologischen Krankheiten, zum Beispiel beim weit verbreiteten Kauergang, einem Gang mit dauernd gebeugten Hüften und Knien. Die personenbezogenen Daten ermöglichen das Erstellen individueller Behandlungspläne. Zudem können sie aufzeigen, dass eine Behandlung unter Umständen gar nicht nötig ist, zum Beispiel bei Plattfüssen. „Diese müssen oftmals gar nicht behandelt werden“, sagt Brunner. Rund 300 bis 350 solche klinischen Analysen werden pro Jahr im Ganglabor erstellt. Eine Zahl, die gemäss Brunner in den vergangenen Jahren „mehr oder weniger konstant“ geblieben ist.

Und nicht zuletzt dient das Ganglabor, das von PD Dr. med. Erich Rutz geleitet wird und rund zehn Mitarbeiter beschäftigt, auch der Forschung – und hilft damit, die Funktion des menschlichen Bewegungsapparates besser zu verstehen. Aktuell etwa laufen Untersuchungen dazu, wie sich Muskeln entwickeln, wenn sie verlängert werden. Oder welchen Einfluss Botox auf Muskeln hat. „Diese Forschung ist von essenzieller Bedeutung für die klinische Behandlung“, sagt Brunner. Eine Frage bleibt zum Schluss aber noch: Weshalb eigentlich ist das Ganglabor im Untergeschoss untergebracht? Die Antwort ist einfach: Um die Erschütterungen möglichst zu minimieren – und die Analysen damit nicht zu verfälschen.

Valentin Kressler, Kommunikationsbeauftragter UKBB

Ein langer Atem im Kampf gegen Krebs

Ein langer Atem im Kampf gegen Krebs

UKBB Kommunikation06.02.2019

Stephanie Gros ist eine von insgesamt 138 Forschenden am Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) und für ihre Arbeit hat sie im Dezember 2018 den Jack Plaschkes Award erhalten. In diesem Beitrag erzählt die Chirurgin, warum sie sich gerne zwischen zwei Welten hin und her bewegt und woher sie ihre Motivation für den Kampf gegen den Krebs nimmt.

Bereits während dem Medizinstudium war für Stephanie Gros klar, dass sie einmal in der Chirurgie arbeiten wollte. Das Ziel, Forscherin zu werden, ergab sich aber erst gegen Ende des Studiums und aufgrund ihrer Doktorarbeit:  „Ich hatte die grosse Chance, dass ich meine Arbeit in Boston am Brigham Womans Hospital machen konnte. Da arbeitete ich mit einer tollen Forschungsgruppe zusammen und bin so auf den Geschmack gekommen. Ab da war meine Begeisterung fürs Forschen nicht mehr zu stoppen“, erzählt die Oberärztin der chirurgischen Abteilung.

Stephanie Gros erforscht den Krebs in fortgeschrittenen Stadien, in denen eine normale Chemotherapie nichts mehr bewirken kann. Diese Art von Krebs, das sogenannte Neuroblastom, ist in den frühen Stadien gut therapierbar. Insbesondere für die fortgeschrittenen Stadien gibt es bisher aber nur  begrenzte Lösungsansätze. Dort setzt die Forschungstätigkeit von Gros an. Sie beschäftigt sich mit den Prozessen, die dazu führen, dass sich der Krebs auf andere Orte ausbreitet und Ableger (Metastasen) bildet. „Mich interessiert, wie man diesen Prozess stoppen kann. Ich setze also dort an, wo die Chirurgie und die Chemotherapie nichts mehr bewirken können.“

Nur in der Forschung zu arbeiten, war für Gros aber kein Thema. Seit ihrer ersten Anstellung war sie immer auch als Ärztin im Spital tätig. Dass sie sich in diesen zwei Welten gleichzeitig bewegen kann, ist für sie zentral: „Für mich persönlich ist es sehr wichtig, dass ich die Patientenbetreuung und die Forschung kombinieren kann.“ Im Spital hilft sie durch die chirurgischen Eingriffe, den Patienten Aussicht auf schnelle Besserung zu geben. Die Forschung baut dann auf der chirurgischen Arbeit auf und  versucht den Patienten auch langfristig zu helfen. Die Motivation nimmt Gros aus diesem Zusammenspiel von Praxis und Forschung: „Wenn man in der klinischen Arbeit sieht, wo und wie man mit der Forschung helfen kann, dann ist das die beste Motivation.“

Ein typischer Tag im UKBB ist geprägt von der Betreuung der Patienten, denn sie stehen immer an erster Stelle. Die Arbeit im Labor kommt dann noch dazu. Dabei ist es ein grosser Vorteil, dass sich das Labor des UKBB beziehungsweise die Forschungsgruppen gleich im Haus selbst befinden.  „Für uns sind die Arbeitsbedingungen hier ganz toll, weil wir im OP das Gewebe entnehmen und dann gleich im Labor untersuchen können. Die Verknüpfung von Forschung und Spital ist ideal. Ebenso ist Basel mit seinem reichhaltigen wissenschaftlichen Umfeld sehr gut aufgestellt und die möglichen Kooperationspartner sind in der unmittelbaren Umgebung.“

Die Forschung und vor allem die Chirurgie sind mit dem Klischee behaftet, eine Männerdomäne zu sein. Trifft dieses Klischee immer noch zu? „Das finde ich überhaupt nicht“, sagt Gros. „Unsere ehemalige Forschungschefin war eine Frau und besonders in Basel sind sehr viele Frauen in diesem Bereich tätig. Es sind auch hier im Haus ganz tolle Vorbilder in der Forschung zu finden. Das Gleiche gilt für die Chirurgie. Das Bild, dass die Chirurgie eine Männerdomäne ist, ist zwar noch da, aber es gibt bereits ganz viele ausgezeichnete Chirurginnen.“

Vorbilder sind wichtig und die Verleihung des Jack Plaschkes Award 2018, der mit 5000 Franken dotiert ist, zeigt, dass diese Arbeit auch von der Gesellschaft wahrgenommen wird. Gros freut sich sehr über den Preis: „Die Auszeichnung ist eine ganz grosse Ehre. Auch weil ich als Deutsche noch nicht so lange in der Schweiz bin und hier noch nicht so lange forsche, freut es mich sehr, diese Auszeichnung von der Gesellschaft zu bekommen.“  
Weitere Studien stehen an und sicher ist, dass man auch in Zukunft noch vieles von Stephanie Gros und ihrer Arbeit im Kampf gegen den Krebs lesen wird. 

Aline Eberle, Praktikantin Kommunikation UKBB

Ein Zuhause auf Zeit für mehrere hundert Familien

Ein Zuhause auf Zeit für mehrere hundert Familien

UKBB Kommunikation08.01.2019

Seit acht Jahren können Eltern von Kindern, die im Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) behandelt werden, im Ronald McDonald Haus übernachten und so in der Nähe ihrer kranken Kinder sein. Ein solches Haus ist ein Bedürfnis: Seit dem Start des Hauses übernachteten 2600 Familien hier. Eine Daueraufgabe stellt nebst der Betreuung der Familien für die Verantwortlichen auch das Fundraising dar.

Es war kein gewöhnlicher Abend am 12. Oktober 2018 im Häbse-Theater. Gespielt wurde zwar, wie unzählige Male zuvor, die Komödie „Schiff über Bord“ mit Dani von Wattenwyl & Ensemble. Der Erlös des unterhaltsamen Abends ging diesmal aber nicht an das Theater, sondern an das Ronald McDonald Haus Basel. Gemäss Hausleiterin Nina Hauck kamen bei diesem Benefizanlass so rund 8000 Franken zu Gunsten des Hauses zusammen. Um den Betrieb zu gewährleisten, ist das Haus, hinter dem die Ronald McDonald Haus Stiftung Basel steht, auf Spendengelder angewiesen.

Im Publikum waren auch Mitarbeiter des UKBB, denn für das Spital ist das Ronald McDonald Haus an der Mittleren Strasse ein wichtiger Bestandteil bei der Betreuung der Angehörigen der kleinen Patienten. „Das Elternhaus hat eine sehr grosse Bedeutung fürs uns“, sagt Caroline Stade, Leiterin Pflegedienst. Im UKBB hat ein Elternteil die Möglichkeit, im Zimmer des Kindes zu übernachten. Bei längeren Aufenthalten ist dies jedoch keine Lösung. Eltern, Geschwister und nahe Angehörige, die von auswärts nach Basel kommen, finden deshalb im Ronald McDonald Haus nur wenige Gehminuten vom UKBB eine günstige Übernachtungsmöglichkeit und können damit jederzeit in der Nähe ihrer kranken Kinder sein. Insgesamt stehen dafür sieben Doppel- und zwei Einzelzimmer für den symbolischen Beitrag von 20 Franken pro Nacht und Familie bereit.

„Wir wollen insbesondere Familien mit schwerkranken Kindern, die von weiter her ins UKBB kommen, ein Zuhause auf Zeit bieten. Hier sollen sie vom Spitalalltag abschalten und ein möglichst normales Leben führen können“, sagt Nina Hauck. Das Angebot wird rege benutzt: Pro Jahr übernachten zwischen 350 bis 400 Familien hier. Seit dem Start im November 2010 waren es total 2600 Familien mit insgesamt über 15‘000 Übernachtungen. 2018 betrug die Auslastung rund 90 Prozent. Beim Gespräch mit Nina Hauck und Assistentin Alexandra Tanner war das Haus voll ausgelastet. Im Durchschnitt bleiben die Familien sechs Tage. Der bisher längste Aufenthalt betrug 15 Monate. Die Familien kommen aus der ganzen Schweiz, rund ein Drittel aus dem Kanton Tessin. Auch Familien, die im Ausland wohnhaft sind, finden den Weg ins Ronald McDonald Haus. Mitarbeiter dieses internationalen Hauses sollten also über gute Sprachkenntnisse verfügen.

Auch wenn die Schicksale der Familien den Mitarbeitern teils nahe gehen und belastend sind: „Ich komme jeden Tag gerne hierher zur Arbeit“, sagt die gelernte Juristin Nina Hauck, die das Haus seit Mitte 2016 leitet. Sie schätzt insbesondere die Abwechslung. „Jeder Tag ist wieder anders.“ Und die „vielen schönen Geschichten, die es auch gibt“ würden helfen, neue Motivation zu schöpfen. So war 2017 eine Familie zu Gast, deren schwerkrankes Kind im UKBB behandelt wurde. Das Kind ist heute wieder zu Hause und es geht ihm besser – und die Familie kommt seither trotzdem noch regelmässig zu Besuch ins Ronald McDonald Haus Basel. „Diese Dankbarkeit vieler Familien ist eine schöne Anerkennung für unsere Arbeit“, sagt Nina Hauck. Unterstützt werden Nina Hauck und Alexandra Tanner von zwölf ehrenamtlichen Mitarbeitern, die jeweils einmal in der Woche bei der Haus- und Gartenarbeit mithelfen.

Eine zentrale Aufgabe von Nina Hauck ist auch das Fundraising, wie sie betont. Finanziell getragen wird das Ronald McDonald Haus Basel von der Ronald McDonald Kinderstiftung Schweiz – in der Schweiz gibt es mittlerweile sieben solche Ronald McDonald Häuser in Spitalnähe – sowie den Beiträgen der Familien, die im Haus übernachten. Einen Grossteil der Gelder sollte die Ronald McDonald Haus Stiftung Basel zusätzlich aber selbst auftreiben. Nina Hauck hat deshalb bereits weitere Veranstaltungen ins Auge gefasst: So soll der Benefizanlass im Häbse-Theater künftig möglichst jedes Jahr stattfinden. In Aussicht steht zudem ein Anlass sportlicher Natur.

Valentin Kressler, Kommunikationsbeauftragter UKBB


Homepage RonaldMcDonald Haus Basel

„Kinder mit ADHS brauchen viel Lob“

„Kinder mit ADHS brauchen viel Lob“

UKBB Kommunikation18.12.2018

Das Thema ADHS stösst aktuell auf viel Interesse: Mehr als 300 Personen besuchten die Publikumsveranstaltung des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) Ende Oktober 2018. Eine mögliche Behandlungsform für Kinder mit ADHS ist die Ergotherapie. Stefanie Stock-Mühlnickel ist seit 27 Jahren im UKBB als Ergotherapeutin tätig. Sie erklärt im Interview, weshalb Lob eine grosse Rolle spielt in der Arbeit mit Kindern mit ADHS und gibt Tipps für den Alltag.

Frau Stock-Mühlnickel, das grosse Interesse an der Publikumsveranstaltung zeigt, dass das Thema ADHS im Moment hoch aktuell ist. Wenn ein Kind mit  ADHS in die Ergotherapie kommt, was machen Sie als erstes?

Stefanie Stock-Mühlnickel: Zuerst analysieren wir die gesamte Situation im Umfeld des Kindes und erfassen seine Stärken und Probleme. Parallel dazu machen wir ein Elterngespräch und dabei formulieren wir zusammen die Ziele des Kindes und der Familie.

Das Wort „Zappelphilipp“ bezieht sich auf Jungen. Ist es so, dass mehr Jungen in die Ergotherapie kommen wie Mädchen?

Ja, das ist sehr oft der Fall. Aber auch Mädchen sind betroffen und zeigen die gleichen Schwierigkeiten wie die Jungs.

Wie regelmässig kommen die Kinder in die Stunde?

Normalerweise einmal pro Woche. Es gibt sowohl Einzel- als auch Gruppentherapien. In den Gruppentherapien liegen die Schwerpunkte auf der Konzentration oder dem Sozialverhalten, also beispielsweise darin, wie man Freunde findet oder Partnerarbeiten löst.

Ist „Freunde zu finden“ ein häufiges Thema?

Ja, das kommt sehr oft vor. Es ist zudem ein Thema, welches in den Sitzungen mit Scham verbunden ist, weil die Kinder das nicht gerne zugeben. Es kann sein, dass ein Kind von sich behauptet, Freunde zu haben, aber die Eltern sagen, dass es keinen einzigen Freund hat.

Wenn nun die Kinder in der Gruppentherapie lernen, wie man Freunde findet, wie erfahren Sie von den Erfolgen?

Das ist unterschiedlich. Manchmal kommen die Kinder von sich aus und sagen, dass sie mit einem Freund abgemacht haben. Im Sozialkompetenztraining schreiben die Eltern einen Wochenbericht und so erhalten wir auch Rückmeldungen. Die Kinder bekommen von uns ein Feedback und wir sagen ihnen, was sie in der Therapie gut machen und über was sich ihre Eltern gefreut haben. Unsere Vorgehensweise sieht so aus, dass wir den Kindern ein positives Feedback geben, indem wir sie loben. Über Dinge, die nicht so gut klappen, sehen wir eher hinweg, weil wir das nicht betonen und dieses Verhalten nicht bestätigen möchten.

Was sind die grössten Schwierigkeiten in der Arbeit mit Kindern mit ADHS?

Die grösste Herausforderung ist der Transfer in den Alltag. Neben den Übungen mit den Kindern leiten wir auch die Eltern an und zeigen ihnen, auf was sie achten sollen. Auch Lehrer können zu uns an den Elternabend kommen, damit sie informiert sind. Wichtig ist auch zu wissen, dass es Geduld braucht. Meist sind Erfolge nicht sofort sichtbar und erst nach einigen Wochen oder Monaten zeigen sich Veränderungen.

Welches sind die wichtigsten Tipps für den Alltag?
Ganz wichtig sind Pausen. Diese müssen von den Bezugspersonen angeleitet werden und eine gute Abwechslung zur vorherigen Aktivität darstellen. Bei den Hausaufgaben  sind  Bewegungspausen oder Pausen, in denen ein Glas Wasser getrunken oder etwas Saures gegessen wird, gut geeignet. Danach können die Aufgaben gut beendet werden. Zudem ist es wichtig, dass das Kind Verantwortung übernimmt, indem man ihm konkrete Fragen stellt. Wenn man möchte, dass das Kind das Zimmer aufräumt, so könnte man fragen: Was brauchst du, damit du in einer halben Stunde dein Zimmer aufräumen kannst?“ Die Fragen bringen die Kinder zum mitdenken und lassen sie Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Weiter sind für Kinder mit ADHS Rituale und Strukturen zentral. Sprich der Tagesablauf sollte im Grossen und Ganzen gleich sein: Nach dem Aufstehen wird der Pyjama immer an den gleichen Ort gelegt und die Kleider angezogen, die bereit liegen. Wiederkehrende Abläufe geben dem Kind Sicherheit.

Aline Eberle, Praktikantin Kommunikation UKBB

Klumpfussklinik in Indien ist ein Erfolg und wird ausgeweitet

Klumpfussklinik in Indien ist ein Erfolg und wird ausgeweitet

UKBB Kommunikation12.11.2018

Mit Unterstützung von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) wurde in Indien vor zwei Jahren ein Projekt zur Behandlung von Kindern mit Klumpfüssen gestartet. Mit Erfolg. Bereits konnten mehrere hundert Kinder dort behandelt werden. Nun hegen die ehrenamtlich tätigen Initianten bereits neue Pläne.

Mit einem Betroffenen auf tausend Neugeborene weltweit ist der Klumpfuss eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Während man hierzulande keine Menschen mit unbehandelten Klumpfüssen mehr sieht, ist dies in Indien leider nach wie vor eine traurige Wirklichkeit, die sich auch auf das Schicksal ganzer Familien auswirken kann. Denn neben einem beschwerlichen, schmerzhaften Alltag hat ein Klumpfuss, wird er nicht frühzeitig erkannt und behandelt, für die Betroffenen oft auch Armut zur Folge, da sie wegen der körperlichen Beeinträchtigung keiner einträglichen Beschäftigung nachgehen können. Der Klumpfuss ist eine angeborene, komplexe Fehlstellung des gesamten Fusses. Die Betroffenen gehen dabei auf dem Fussaussenrand, in schweren Fällen auf dem Fussrücken.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Verein Child Health Care Heidi (CHCH) mit Sitz in Münchenstein dazu entschieden, ein Projekt der indischen Organisation CURE India mit dem Rehabilitationszentrum SVNIRTAR in Olatpur im indischen Bundesstaat Orissa zu unterstützen. Ziel des Vereins ist die Förderung von Gesundheitsprojekten für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Indien. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Behandlung von Krankheiten, für die lokal ein ungenügendes Angebot besteht, sowie auf der Ausbildung von Fachpersonen vor Ort und Know-how-Transfer.

Im Dezember 2016 ist die gemeinsame Klumpfussklinik mit regelmässigen Sprechstunden und zeitgemässen Behandlungen gestartet. Eine erste Bilanz fällt positiv aus: Seither wurden bereits rund 700 Patienten mit Klumpfüssen, hauptsächlich Kinder, behandelt. „Das ist eine unglaubliche Zahl und auf alle Fälle jetzt schon ein Erfolg“, freut sich Bernhard Maria Speth, Oberarzt Orthopädie und Leiter der Fusssprechstunde im UKBB. Zusammen mit Reinald Brunner Leitender Arzt Neuroorthopädie, hatte Speth Anfang 2015 das Rehabilitationszentrum SVNIRTAR erstmals besucht. Während dieses Aufenthalts sollten Patientengruppen identifiziert werden, bei denen mit wenig Aufwand eine starke Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden kann. Daraus hervorgegangen ist als ein Schwerpunkt das Klumpfussprojekt, das aktuelle und ehemalige Mitarbeiter des UKBB nun mit Know-how-Transfer und regelmässigen Besuchen vor Ort unterstützen. Präsident des 2015 gegründeten Vereins CHCH ist Conrad E. Müller, Stiftungsratspräsident der Stiftung Pro UKBB und ehemaliger CEO des UKBB, Vizepräsident ist Neuroorthopäde Brunner. Das Engagement ist ehrenamtlich, auch jenes von Speth und Brunner.

Als ein weiterer, zweiter Erfolg des Projekts im indischen Olatpur gewertet werden kann, dass die Zahl der Operationen zurückgegangen ist und die überwiegende Zahl der Kinder jetzt konservativ – und nach den gleichen Prinzipien wie im UKBB – behandelt wird  „Darauf lag unser Hauptaugenmerk bei der Unterstützung der indischen Kollegen“, sagt Speth. Ein wichtiger Aspekt sei dabei vor allem die Früherkennung. „Nach wie vor ist die Früherkennung ein grosses Problem, dem sich unsere Aufklärungsarbeit vor Ort widmet. Dennoch beobachten wir deutliche Behandlungserfolge durch frühen Behandlungsbeginn.“ Während früher drei Kinder pro Tag operiert wurden, sind es heute noch drei Kinder im Monat. Im UKBB wird der Klumpfuss konservativ nach der sogenannten Ponseti-Methode behandelt – in einem ersten Schritt mit mehreren Gipsen und in einem zweiten Schritt mit einer Schiene, die bis zum Abschluss des vierten Lebensjahres getragen werden muss. Gemäss Speth werden im UKBB 20 Fälle pro Jahr so behandelt.

Ein weiterer, dritter Erfolg des Projekts ist, dass die Patienten nicht mehr wie früher ausschliesslich zur Operation oder Behandlung im Rehabilitationszentrum SVNIRTAR erscheinen, sondern später auch noch regelmässig zur Kontrolle kommen. „Das ist wichtig für eine gute Genesung“, sagt Speth. Das Rehabilitationszentrum SVNIRTAR hat ein riesiges Einzugsgebiet. Gemäss Speth deckt es ein Gebiet mit über 40 Millionen Menschen ab.

Nach dem erfolgreichen Start des Klumpfussprojekts hegt der Verein CHCH nun weitere Pläne im indischen Denkhanal. Neu soll zusätzlich ein eigenes Behandlungszentrum für Kinder mit orthopädischen Problemen und Beeinträchtigungen aufgebaut und finanziell unterstützt werden. Gemäss Speth soll die Grundsteinlegung demnächst erfolgen. Derzeit werden noch Sponsoren gesucht für das Projekt. Es sei Zufall gewesen, als er Anfang 2015 erstmals nach Olatpur ins Rehabilitationszentrum SVNIRTAR gekommen sei, sagt Speth. Mittlerweile seien die Projekte in Indien für ihn aber zu einer „Herzensangelegenheit“ geworden. „Ich hatte bereits viele eindrückliche Erlebnisse dort und habe auch persönliche Beziehungen geknüpft“, sagt er. Von den dort gemachten Erfahrungen und Erkenntnissen würden zudem auch das UKBB und seine Mitarbeiter profitieren, ist Speth überzeugt. „Es ist eine Win-win-Situation.“

Valentin Kressler, Kommunikationsbeauftragter UKBB

Homepage Verein Child Health Care Heidi

Schwitzen gegen die Spätfolgen von Krebs

Schwitzen gegen die Spätfolgen von Krebs

UKBB Kommunikation16.10.2018

Nach einer intensiven Vorbereitungszeit ist die Sportstudie SURfit des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) nun in den letzten Zügen der Durchführung. Die Arbeit von Prof. Nicolas von der Weid, Abteilungsleiter der Hämatologie-Onkologie am UKBB, und seinem Team ist jedoch noch nicht beendet: Es folgen zwei Jahre, in denen die gesammelten Daten ausgewertet werden müssen. Dann wird sich zeigen, ob Sport die Spätfolgen einer Krebsbehandlung vermindern kann. Von der Weid und die Sportwissenschaftlerin und Studienleiterin Dr. Iris Bänteli ziehen eine erste Zwischenbilanz.

Dank der grossen Fortschritte in der Krebsbehandlung von Kindern können zurzeit rund 80 Prozent der jungen Patienten geheilt werden. Nach der Genesung sind die sogenannten Survivors aber auf sich allein gestellt, denn eine strukturierte medizinische Nachsorge gibt es häufig nicht. Als Folge der Medikamente und der Strahlentherapie können Herz- und Gefässerkrankungen, Übergewicht und Osteoporose entstehen. Aber nicht nur der Körper leidet unter der Krankheit. Auch die psychische Gesundheit ehemaliger Krebspatienten ist etwas schlechter als bei ihren Geschwistern oder Personen aus der allgemeinen Bevölkerung. 

Das Wissen, dass sich Sport auf die Psyche und auf verschiedene Bereiche des Körpers positiv auswirkt, diente der Studie SURfit als leitender Grundgedanke. Die sportliche Betätigung könnte nämlich, so Prof. von der Weid, „ein gutes Medikament ohne Nebenwirkungen“ sein. Inwiefern dies tatsächlich zutrifft, untersucht das interdisziplinäre Studienteam von Ärzten, Physiotherapeuten und Sportwissenschaftlern des UKBB, der Universität Zürich (Prof. Susi Kriemler, Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention) und der Universität Oslo (Dr. Corina Rüegg, Institut für Epidemiologie und Biostatistik) zusammen mit den insgesamt 150 Survivors im Alter zwischen 16 und 50 Jahren. Während einem Jahr treibt die eine Hälfte der Probanden (Interventionsgruppe) zweieinhalb Stunden mehr Sport pro Woche als vorher, während dem die andere Hälfte (Kontrollgruppe) die bisherige Intensität beibehält. Die Art der sportlichen Betätigungkonnte dabei frei gewählt werden.

„Das Engagement der Probanden ist beachtlich“, meint von der Weid erfreut. Nicht nur die selbständige Planung und Durchführung der Sportstunden, sondern auch die Gesundheitschecks erfordern viel Organisation und Umstellung im Alltag. Insgesamt sieben Untersuchungen müssen durchlaufen werden, die bis zu einem halben Tag dauern können. Dafür reisen die Probanden aus der ganzen Schweiz nach Basel. Im Verlauf der Studie zeigte sich, dass nicht alle Probanden die vorgeschriebenen Sportstunden gleich gut einhalten konnten. Die Motivation hoch zu halten, war daher die schwierigste Aufgabe des Studienteams. Mit diesen Erkenntnissen ist das Forschungsteam in Basel nicht alleine: „Man weiss auch aus anderen internationalen Sportstudien, zum Beispiel bei zystischer Fibrose, dass die Einhaltung des Sportprogramms unterschiedlich gut ausfällt“, so von der Weid. Weitere Gründe, wie ein Berufswechsel oder eine Verletzung, können die Teilnahme an der Studie erschweren oder gar verunmöglichen.

Weiter war es besonders für die Probanden aus Basel nicht leicht, ins UKBB zurückzukommen. Es ist der Ort, mit dem sie ihre Krebserkrankung verbinden. Weshalb haben sich dennochso viele Probanden bereit erklärt, an der Studie teilzunehmen? „Viele ehemalige Patienten haben eine innere Motivation zu helfen, denn die Patienten nach ihnen sollen von ihren Erfahrungen profitieren können. Mit der Teilnahme an der Studie möchten sie zudem auch der Medizin etwas zurückgeben“, sagt Bänteli.

Um eine solche Studie meistern zu können, ist neben dem grossen Einsatz der Probanden und Studienmitarbeiter auch die finanzielle Unterstützung der Gönner ein wichtiger Aspekt. Mitfinanziert wird die Studie von der Stiftung für krebskranke Kinder Regio Basiliensis, der Krebsliga Schweiz, der Krebsforschung Schweiz und der Gedächtnis-Stiftung Susy Rückert zur Krebsbekämpfung. Umfassende Aussagen zur Wirksamkeit von Sport bei ehemaligen Krebspatienten können erst nach den Auswertungen der Daten gemacht werden. Dies wird voraussichtlich 2020 der Fall sein. Erste detaillierte Erkenntnisse der Studie präsentiert von der Weid einem öffentlichen Publikum aber bereits am Forschertag des UKBB, der am 23. Oktober 2018 in Basel stattfinden wird.

Aline Eberle, Praktikantin Kommunikation UKBB

Anmeldung Forschertag UKBB, 23. Oktober 2018

Homepage SURfit


20 Jahre BELOP – eine Erfolgsgeschichte

20 Jahre BELOP – eine Erfolgsgeschichte

UKBB Kommunikation25.09.2018

Ist ein Kind für eine Operation oder Untersuchung in Anästhesie im Spital, stellt dies für Eltern und Kind eine Ausnahmesituation dar. Dafür, dass sich auch die Eltern im Spital möglichst wohl fühlen, sorgt im Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) eine in der Schweiz einzigartige Organisation: der Verein BELOP. Und das seit bereits 20 Jahren.

Es gibt sie, diese Menschen, die für eine Aufgabe brennen. Und das während Jahren. Solche Menschen sind Ursula Pugin und ihre Kolleginnen vom Verein BELOP (Verein für die Begleitung der Eltern während der Operation ihres Kindes). Seit bereits 20 Jahren stellt der Verein im UKBB den Eltern auf Wunsch eine Begleiterin zur Seite – und Ursula Pugin und ihre Kolleginnen übernehmen diese Aufgabe mit ungebrochenem Engagement. „Ich bin gerne im Spital und mache mich einen Tag lang nützlich, um anderen Leuten das Leben etwas einfacher zu machen“, sagt die frühere Pflegefachfrau, die von einer „eindrücklichen Tätigkeit“ spricht. Doch was machen die Elternbegleiterinnen – alles Frauen – des Verein BELOP eigentlich? Sie zeigen den Eltern beispielsweise, wo sie während einer Operation oder Untersuchung in Anästhesie warten können, helfen ihnen, sich im Spital zurechtzufinden, oder hören einfach zu. Die Elternbegleiterinnen sind jederzeit für die Eltern erreichbar.

Ursula Pugin, die seit 2008 Vereinspräsidentin ist, zieht eine positive Bilanz des 20-jährigen Bestehens: „Die Zusammenarbeit von BELOP und UKBB ist sehr gut. Alle, Pflegepersonal und Ärzte, sind uns wohlgesinnt“, sagt sie. „Der Tenor lautet: Wir sind nicht mehr wegzudenken. Es ist heute allgemein anerkannt, dass wir eine Unterstützung sind für die Eltern, aber auch für das Personal.“ Als „wunderbar positiv“ bezeichnet sie denn auch das Feedback der Eltern. „Die Allermeisten sind uns sehr dankbar, und viele erinnern sich noch Jahre später an uns, wenn sie uns zufällig wieder begegnen.“

Die neuere Geschichte des UKBB haben die Elternbegleiterinnen live miterlebt: Gestartet sind sie 1998 noch im alten Kinderspital Basel an der Römergasse. 7 Begleiterinnen waren damals von Montag bis Freitag von 7 bis 15 Uhr im Einsatz. Heute, im Neubau des UKBB an der Spitalstrasse, sind 16 Begleiterinnen – täglich sind sie zu dritt – von Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr präsent. In den vergangenen 20 Jahren haben sie so insgesamt mehrere tausend Elternbegleitungen gemacht. Ein Highlight für BELOP war, dass die Elternbegleiterinnen 2011 beim Einzug in den Neubau vom ersten Tag an dabei sein konnten. „Das war wunderbar“, sagt Ursula Pugin. Seit das Spital an einem Standort sei, habe dies die Arbeit zudem erleichtert.

Eine Herausforderung für BELOP stellt die Suche nach neuen Elternbegleiterinnen dar. Gemäss Ursula Pugin hat es sich gezeigt, dass es schwierig ist, neue Leute zu finden. Die Elternbegleiterinnen erhalten eine bescheidene Entlöhnung, die Arbeit erfordert Respekt, die Fähigkeit, die nötige Distanz zu wahren, und Freude am Umgang mit verschiedenen Kulturen. Eine weitere Herausforderung sind die Finanzen des Vereins mit seinen rund 100 Mitgliedern. Mit der Marie Anna-Stiftung konnte schon bald ein Hauptsponsor gefunden werden. Die Stiftung hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, Anschaffungen und Einrichtungen, die den Spitalaufenthalt im UKBB für die Patienten erleichtern und angenehmer gestalten, zu finanzieren. Von der Marie Anna-Stiftung hat BELOP in den vergangenen Jahren jeweils zwischen 10‘000 und 20‘000 Franken erhalten. Diese Unterstützung und die Mitgliederbeiträge reichen nicht aus. „Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Sponsoren“, sagt Ursula Pugin.

Das 20-Jahr-Jubiläum feierte BELOP übrigens bescheiden mit einem Apéro im UKBB im Anschluss an die Mitgliederversammlung im Mai 2018. „Für die Zukunft wünschen wir uns hauptsächlich, dass die Zusammenarbeit, sowohl unter uns als auch mit dem Personal im UKBB, weiterhin sehr kollegial und gut bleibt“, sagt Präsidentin Ursula Pugin – mit hörbarer Freude an ihrer Tätigkeit im UKBB.

Valentin Kressler, Kommunikationsbeauftragter UKBB

* Wir nutzen zur besseren Lesbarkeit jeweils nur die männliche Form. Selbstverständlich sind jedoch Frauen und Männer gleichermassen angesprochen.

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Basel, Spitalstrasse 33
4056 Basel | CH

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